ist das Ding an?
von Peer Hölscher
Ausbildung zur Fachkraft für Veranstaltungstechnik – drei Jahre zwischen Lager und Bühnenkante
Die Frage, die diesem Beitrag den Titel gibt, fällt auf jeder Veranstaltung mindestens einmal: Ist das Ding an? Dahinter steckt eine Kette aus Stromverteilung, Signalweg, Pegel und Statik, die jemand aufgebaut hat, bevor der erste Gast da war. Wer diesen Beruf lernen will, lernt ihn in drei Jahren – dual, mit Abschluss vor der Industrie- und Handelskammer (IHK). Dieser Beitrag beschreibt, was in dieser Zeit passiert, was geprüft wird und wie der Alltag in einem Verleihbetrieb tatsächlich aussieht.
Was eine Fachkraft für Veranstaltungstechnik macht
Der Beruf heißt offiziell Fachkraft für Veranstaltungstechnik, umgangssprachlich wird meist von Veranstaltungstechnikern gesprochen. Die Tätigkeit umfasst drei Dinge, die im Alltag ineinandergreifen: Technik auswählen und bereitstellen, sie sicher aufbauen und in Betrieb nehmen, und sie während der Veranstaltung bedienen. Dazu kommt alles, was nach dem letzten Ton passiert – Abbau, Rückführung, Prüfung, Reparatur.
Die Gewerke lassen sich grob trennen: Tontechnik von der Funkstrecke bis zur Beschallungsanlage, Lichttechnik von der Lichtstellung bis zum Moving Head, Medientechnik mit Projektion, LED-Wand und Bildregie, dazu Bühne und Rigging. In der Ausbildung werden alle vier durchlaufen; die Spezialisierung kommt später und oft von selbst. Eine ausführliche Einordnung der Disziplinen steht im Beitrag Was ist Veranstaltungstechnik?
Was in keiner Berufsbeschreibung steht, aber den Beruf prägt: Die Arbeit ist terminhart. Ein Konzert beginnt um 20 Uhr, auch wenn der Verstärker um 19:40 ausfällt. Diese Unverschiebbarkeit sortiert ziemlich schnell, wem der Beruf liegt.
Die Ausbildung in Kürze
| Punkt | Regelfall |
|---|---|
| Berufsbezeichnung | Fachkraft für Veranstaltungstechnik, staatlich anerkannt |
| Dauer | 3 Jahre, Verkürzung auf Antrag möglich |
| Form | dual – Ausbildungsbetrieb und Berufsschule |
| Rechtsgrundlage | Ausbildungsverordnung vom 3. Juli 2016, geändert zum 1. August 2022 |
| Prüfungen | Zwischenprüfung und Abschlussprüfung vor der IHK |
| Schulabschluss | formal keiner vorgeschrieben, in der Praxis meist mittlerer Abschluss |
| Ausbildungsbeginn | in der Regel August oder September |
Beim Berufsschulunterricht gibt es beide Modelle nebeneinander: feste Schultage in der Woche und Blockwochen am Stück, zuletzt wieder verstärkt wochenweise. Gemeinsam ist beiden, dass der Weg zur Schule weit ist. Der Beruf ist zu selten, als dass jede Stadt eine eigene Klasse füllen könnte – ein Berufskolleg sammelt die Auszubildenden einer ganzen Region ein, und je weniger Unterrichtsorte es gibt, desto größer wird das Einzugsgebiet. Für den Betrieb heißt das, ganze Wochen ohne diese Person zu planen; für Auszubildende, dass zur Unterrichtszeit noch Fahrzeit dazukommt.
Was in den drei Jahren dazukommt
Die Ausbildungsordnung gibt eine Reihenfolge vor, die im Betrieb ziemlich genau so erlebt wird:
- Erstes Jahr – Material und Grundlagen: Kabeltypen und Steckverbindungen, Aufbau und Verkabelung von Ton-, Licht- und Videotechnik, Umgang mit dem Lagerbestand, Sicherheitsunterweisungen, Mitarbeit auf Veranstaltungen unter Anleitung. Viel Lager, viel Aufbau, viel Zuschauen und Nachfragen.
- Zweites Jahr – Betrieb und Verantwortung: Bedienen von Mischpulten und Lichtstellwerken, Stromverteilung und Absicherung, Rigging und Lastannahmen, Fehlersuche im Signalweg, erste eigene Zuständigkeiten auf kleineren Veranstaltungen.
- Drittes Jahr – Planung und Projekt: technische Planung ganzer Veranstaltungen, Zeitpläne und Materiallisten, Zusammenarbeit mit Kundschaft und Gewerken, Dokumentation. Hier entsteht auch das Projekt für die Abschlussprüfung.
Ein elektrotechnischer Teil zieht sich durch alle drei Jahre. Stromversorgung, Verteiler, Schutzmaßnahmen und Prüfpflichten sind kein Nebenthema, sondern einer der Gründe, warum dieser Beruf eine Ausbildung und keine Anlerntätigkeit ist. Welche Rolle Prüfungen, Fachkräfte und Dokumentation auf der Veranstaltung selbst spielen, steht im Beitrag Sicherheit auf Veranstaltungen.
Zwischenprüfung und Abschlussprüfung
Die Zwischenprüfung liegt in der Mitte der Ausbildung und deckt zwei Bereiche ab: das Auswählen der Veranstaltungstechnik samt Stromversorgung und das Bereitstellen der Veranstaltungstechnik. Sie zählt nicht zur Endnote, zeigt aber sehr deutlich, wo noch Lücken sind.
Die Abschlussprüfung besteht aus fünf Prüfungsbereichen: Realisieren eines veranstaltungstechnischen Projekts, Planen der Veranstaltungstechnik, Planen der Veranstaltungsdurchführung, Sicherstellen der Energieversorgung für Veranstaltungstechnik sowie Wirtschafts- und Sozialkunde. Das Projekt ist ein echter betrieblicher Auftrag, der durchgeführt, dokumentiert und anschließend im Fachgespräch erklärt wird.
Zwei dieser Bereiche sind Sperrfächer, müssen also mindestens mit ausreichend bestanden werden: die Energieversorgung und – seit der Änderung zum 1. August 2022 – auch das Projekt. Wer dort durchfällt, hat die Prüfung nicht bestanden, egal wie gut der Rest aussieht.
Praxis-Tipp: Das Berichtsheft ist keine Schikane, sondern die Materialsammlung für die Abschlussprüfung. Wer darin über drei Jahre notiert, welche Anlage wo stand und welches Problem wie gelöst wurde, hat beim Projekt bereits die halbe Dokumentation beisammen.
Der Alltag in einem Verleihbetrieb
Zwischen Berufsbild und Berufsalltag liegt bei fast jedem Beruf eine Lücke. Hier besteht sie vor allem aus Logistik. Ein typischer Ablauf bei AE Rental in Münster sieht so aus: Am Packtag wird die Technik nach Materialliste zusammengestellt, geprüft und verladen. Am Aufbautag steht sie vor Ort, wird aufgebaut, verkabelt, eingemessen und eingerichtet. Während der Veranstaltung ist jemand vor Ort, oft mit wenig zu tun und voller Aufmerksamkeit. Danach wird abgebaut, auch wenn es zwei Uhr nachts ist, und am nächsten Tag kommt alles zurück ins Lager – geprüft, gereinigt, einsatzbereit für den nächsten Auftrag.
Daraus folgen ein paar Dinge, die zur Ehrlichkeit gehören: Arbeitszeiten liegen oft abends und am Wochenende, dafür ist unter der Woche mehr Luft. Der Anteil an körperlicher Arbeit ist hoch, besonders im ersten Jahr. Und ein Großteil der Zeit vergeht nicht an der Bühnenkante, sondern im Lager, im Transporter und in der Werkstatt. Wer nur die Show im Kopf hat, erlebt im ersten Jahr eine Überraschung.
Der Vorteil eines kleinen Betriebs: Es gibt keine Abteilung, in der man drei Jahre hängen bleibt. Ton, Licht, Video, Bühne, Strom und Fuhrpark liegen nebeneinander, und spätestens im zweiten Jahr ist jemand mit eigener Zuständigkeit auf einer Veranstaltung – nicht als Handlanger, sondern als verantwortliche Person für ein Gewerk.
Warum man den Beruf macht
Der Abschnitt davor ist bewusst nüchtern, denn wer nur wegen der Show anfängt, hört im zweiten Jahr wieder auf. Interessant ist, was bleibt, wenn der Reiz des Neuen weg ist – und das lässt sich ziemlich genau benennen.
Am Ende eines Aufbautags steht etwas da, das morgens noch nicht existiert hat. Sichtbares Ergebnis, am selben Tag, ohne Umweg: Das ist der einfachste und zugleich haltbarste Teil der Sache. Dazu kommt die Wirkung auf andere. Eine Veranstaltung, die läuft, macht ein paar hundert Leuten einen guten Abend, und die Technik hat daran einen Anteil, den im Publikum niemand benennen kann. Wer ins Rampenlicht will, ist hier falsch – man ist der erste vor Ort und der letzte, der geht, und der beste Beleg für gute Arbeit ist, dass niemand über sie redet. Wem das genügt, dem genügt es dauerhaft.
Dann die Technik selbst. Es gibt in diesem Beruf ständig etwas Neues auszuprobieren: ein Gerät, das noch keiner im Haus kennt, eine Lösung für einen Raum, der eigentlich nicht beschallbar ist, ein Aufbau, der schneller gehen muss als beim letzten Mal. Begeisterung für Technik ist hier keine Marotte, sondern die Arbeitsgrundlage.
Und keine Veranstaltung gleicht der anderen. Im Kern ähneln sich die Handgriffe – Strom, Signal, Pegel, Statik –, aber eine Karnevalssitzung und ein Metal-Konzert verlangen fast gegensätzliche Entscheidungen: Sprachverständlichkeit gegen Druck, Saallicht gegen Dunkelheit, Moderation gegen Lautstärke. Dieselben Grundlagen, jedes Mal anders zusammengesetzt. Alltagsroutine sieht anders aus.
Bleibt der Punkt, an dem sich zeigt, wer den Beruf wirklich mag: Es geht immer noch ein bisschen besser. Die Box zehn Zentimeter weiter, der Übergang eine Sekunde früher, die Kabelführung so, dass sie am nächsten Tag beim Abbau fünf Minuten spart. Dazu zwingt niemand, es merkt auch kaum jemand. Genau diese Lücke zwischen „funktioniert" und „sitzt" hält den Beruf über Jahre interessant.
Was mitgebracht werden sollte
- Technisches Interesse: Wichtiger als Vorwissen ist die Bereitschaft, einem Fehler bis zur Ursache nachzugehen, statt das Kabel zu tauschen und zu hoffen.
- Zuverlässigkeit: Der Aufbau beginnt zu einer festen Uhrzeit, und das Team rechnet mit der zugesagten Besetzung. Dieser Punkt wiegt in der Praxis schwerer als jede Schulnote.
- Belastbarkeit: Lange Tage, Lastentransport, Hitze unter dem Dach und Kälte auf dem Hof gehören dazu. Grundfitness reicht, Leistungssport ist nicht nötig.
- Ruhe im Stress: Wenn zehn Minuten vor Beginn etwas ausfällt, hilft Systematik, nicht Hektik.
- Führerschein: Kein Muss zu Beginn, aber Klasse B macht vieles einfacher und wird im Lauf der Ausbildung fast immer gebraucht.
Höhentauglichkeit und der Umgang mit persönlicher Schutzausrüstung kommen im Betrieb dazu, ebenso die Unterweisungen zu Arbeitssicherheit und Elektrotechnik. Das muss niemand mitbringen.
Was nach der Ausbildung kommt
Der Abschluss ist kein Endpunkt, sondern eine Weggabelung. Üblich sind drei Richtungen: Spezialisierung in einem Gewerk, also Mischpult, Lichtdesign, Rigging oder Systemtechnik. Fortbildung zur Meisterin oder zum Meister für Veranstaltungstechnik, womit auch die Rolle der verantwortlichen Person für Veranstaltungstechnik nach den Versammlungsstättenverordnungen der Länder offensteht. Oder ein Studium im Bereich Veranstaltungstechnik, Medientechnik oder Eventmanagement, für das die abgeschlossene Ausbildung je nach Bundesland den Zugang eröffnet.
Die Branche ist durchlässig: Theater, Messebau, Fernsehproduktion, Hallenbetrieb, Tourbegleitung und Verleih sind mit derselben Ausbildung erreichbar, und Wechsel zwischen diesen Welten sind normal.
Häufige Fragen zur Ausbildung
Drei Jahre im dualen System, also im Wechsel zwischen Ausbildungsbetrieb und Berufsschule. Eine Verkürzung ist auf Antrag möglich, etwa bei einschlägiger Vorbildung oder sehr guten Leistungen; darüber entscheidet die zuständige Industrie- und Handelskammer gemeinsam mit dem Betrieb.
Rechtlich ist kein bestimmter Abschluss vorgeschrieben. In der Praxis stellen die meisten Betriebe mit mittlerem Abschluss oder Abitur ein, weil der elektrotechnische Teil und die Planungsaufgaben im dritten Jahr Mathematik und Textverständnis verlangen. Entscheidend sind am Ende Interesse und Zuverlässigkeit, nicht das Zeugnis allein.
Die Fachkraft für Veranstaltungstechnik ist ein technischer Beruf: Technik auswählen, aufbauen, bedienen und sicherstellen. Veranstaltungskaufleute planen und organisieren Veranstaltungen kaufmännisch, also Budget, Verträge, Marketing und Ablauf. Beide Berufe dauern drei Jahre und arbeiten auf derselben Veranstaltung, aber an unterschiedlichen Stellen.
Eine Zwischenprüfung in der Mitte der Ausbildung zu den Bereichen Auswählen der Veranstaltungstechnik samt Stromversorgung und Bereitstellen der Veranstaltungstechnik. Am Ende die Abschlussprüfung mit fünf Prüfungsbereichen: Realisieren eines veranstaltungstechnischen Projekts, Planen der Veranstaltungstechnik, Planen der Veranstaltungsdurchführung, Sicherstellen der Energieversorgung sowie Wirtschafts- und Sozialkunde.
Zwei Bereiche sind Sperrfächer und müssen mindestens ausreichend bewertet werden: Sicherstellen der Energieversorgung für Veranstaltungstechnik und, seit der Änderung der Ausbildungsordnung zum 1. August 2022, auch das Realisieren eines veranstaltungstechnischen Projekts. Eine schwache Leistung dort lässt sich nicht durch gute Noten in den anderen Bereichen ausgleichen.
Regelmäßig ja. Veranstaltungen finden abends und an Wochenenden statt, und abgebaut wird meist direkt im Anschluss. Dafür liegt unter der Woche mehr Freiraum, und die Arbeitszeiten für Auszubildende sind durch das Jugendarbeitsschutzgesetz begrenzt, solange sie noch nicht volljährig sind.
Zum Start nicht zwingend. Da Material zwischen Lager und Veranstaltungsort bewegt wird, ist die Klasse B im Lauf der Ausbildung aber fast immer von Vorteil, und bei Transportern mit Anhänger kommen je nach Gesamtgewicht weitere Klassen ins Spiel.
Drei Wege sind üblich: Spezialisierung auf ein Gewerk wie Ton, Licht, Video oder Rigging; die Fortbildung zur Meisterin oder zum Meister für Veranstaltungstechnik, die auch die Rolle der verantwortlichen Person für Veranstaltungstechnik nach den Versammlungsstättenverordnungen eröffnet; oder ein Studium in Veranstaltungs-, Medientechnik oder Eventmanagement.
Ausbildung oder Praktikum bei AE Rental?
AE Rental bildet am Standort Hawerkamp in Münster aus – mit Veranstaltungen zwischen Clubabend, Tagung, Messe und Open Air, also quer durch alle Gewerke statt in einer Nische. Wer wissen will, ob der Beruf passt, startet am besten mit einem Praktikum: ein paar Tage Lager, Aufbau und Abbau sagen mehr als jede Stellenbeschreibung.
Schick uns kurz, was dich interessiert und ab wann du Zeit hast – eine förmliche Bewerbungsmappe ist dafür nicht nötig.
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